Berliner Schulpate

Jeder vierte Azubi bricht deutschlandweit die Ausbildung ab. Auch ein Drittel aller Studienanfänger beendet den Studiengang nicht. Einer der Gründe: Viele junge Menschen wissen einfach nicht genau, welchen Berufsweg sie einschlagen möchten. Deshalb ist eine frühzeitige Berufsorientierung in der Schulzeit besonders wichtig. Bei Berliner Schulpate beginnt sie schon in der Grundschule.

Auf dem Hof der Gerüstbaufirma Module Spezial-Gerüstbau GmbH geht es turbulent zu: 15 Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis zwölf Jahren haben sich in kleine Gerüstbauer verwandelt. Ausgestattet mit Helmen und Handschuhen bauen sie unter Anleitung fachgerecht ein kleines Gerüst auf. Zuerst bekommen sie anhand des Bauplans gezeigt, wie das Gerüst nachher aussehen soll. Die einzelnen Bauteile und das Werkzeug werden erklärt, wann welcher Arbeitsschritt erfolgt und dann geht es los. Die Jungen und Mädchen lernen sofort - bei dieser Arbeit ist Teamwork gefragt. Denn die Stangen sind schwer und allein schafft den Aufbau keiner. „Ohne ein gut eingespieltes Team geht beim Gerüstbau gar nichts,“ sagt Andreas Krebs, Geschäftsführer der Module Spezial-Gerüstbau GmbH. „Man muss sich aufeinander verlassen können und das lernen die Kids heute hier.“ Aktive Nachwuchsförderung wird bei Andreas Krebs und seiner Firma großgeschrieben. Bislang kamen vor allem Neuntklässler in den Betrieb. Aber seit dem Start der Kooperation mit Berliner Schulpate im Schuljahr 2018/19 kommen nun auch regelmäßig Grundschulkinder zum Betriebsbesuch. So auch die Jungen und Mädchen einer fünften Klasse der Zürich-Grundschule.

Es braucht Möglichkeiten des Ausprobierens
Seit zwei Jahren macht die Grundschule aus Neukölln bei Berliner Schulpate mit. Das Programm „Abenteuer Beruf“ wurde von Berliner Schulpate eigens entwickelt, um Grundschulkindern ein erstes, spielerisches Reinschnuppern in die Arbeitswelt zu ermöglichen. In zwei zentralen Modulen – Berufe-Stunde und Betriebsbesuche– begegnen die Kinder Berufspraktikern, lernen den Arbeitsalltag und die Anforderungen verschiedener Berufe kennen und dürfen selbst kleine praktische Arbeiten durchführen. Dabei bekommen die Schülerinnen und Schüler nicht nur realistische Berufsbilder vermittelt, sondern begegnen auch beruflichen Vorbildern, die ihnen Perspektiven aufzeigen und Anregungen für eigene Berufswünsche geben. „Für die die Schülerinnen und Schüler ist das ein sehr gewinnbringendes Projekt“, bestätigt Kristina Löchel, Lehrerin an der Zürich-Grundschule. „Sie lernen nicht nur Berufe eindrücklich kennen, die in ihrem Umfeld eher unüblich sind, sondern profitieren auch von den vielen praktischen Erfahrungen enorm. Andreas Krebs überzeugt dieser Ansatz ebenfalls: „Für die Berufsorientierung wird aktuell viel zu wenig Raum gelassen. In erster Linie passiert das in der Oberschule und wird dort in den ohnehin vollgepackten Lernstoff gequetscht. Wirklich Zeit zum Ausprobieren und Entdecken bleibt da nicht.“

Unter Auszubildenden liegt die Abbrecherquote seit Jahren unverändert bei rund 25 Prozent. Beiden Studierenden ist sie sogar gestiegen. Laut den Umfragedaten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Berufsbildungsbericht 2018* nennen Auszubildende als Gründe für den vorzeitigen Abbruch der Ausbildung auch falsche Berufsvorstellungen. Auch unter den Studierenden sind es unzureichende Vorstellungen von den Anforderungen wie das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in seiner Studie 2017 herausfand. „Die hohe Zahl an Jugendlichen, die nach der Schule keine passende Ausbildung finden und oftmals nicht wissen, welcher Beruf zu ihren Stärken passt, zeigt, dass es mehr Möglichkeiten braucht, sich auszuprobieren, um seine Talente zu entdecken,“ sagt Carola Zarth, Präsidentin der Handwerkammer Berlin. „Die Entdeckungsreise zum Traumberuf muss schon in der Kindheit beginnen. Gerade das Handwerk kann von einer frühen und praxisbezogenen Berufsorientierung profitieren, denn das praktische Arbeiten wird in der Schule kaum noch vermittelt.“

Frühe Orientierung schafft konkrete Berufswünsche
Für die richtige Berufswahl ist nicht nur das Wissen um die eigenen Fähigkeiten entscheidend, sondern auch eine möglichst konkrete Vorstellung von den Berufen und ihren Anforderungen. Deshalb steht das Selbermachen und praktische Ausprobieren bei „Abenteuer Beruf“ im Vordergrund. Auf dem Hof vom Module Gerüstbau sind die Kinder der Zürich-Grundschule mit Feuereifer dabei. Sie haben sich als Team gut eingespielt und der Aufbau geht zügig voran. Stolz posiert die Gruppe am Ende für ein Bild auf dem fertigen Gerüst.

Dass eine erfolgreiche Nachwuchsförderung so früh wie möglich beginnen muss, davon sind auch immer mehr Berliner Unternehmen überzeugt. Mehr als 450 von ihnen haben sich in den letzten Jahren bei Berliner Schulpate engagiert und Kindern ihre Arbeitswelt gezeigt. Die meisten von ihnen sind nach dem ersten Mal so überzeugt, dass sie jedes Schuljahr erneut mitmachen. „Viele denken, dass Kinder im Grundschulalter sich noch nicht für Berufe interessieren, aber das stimmt nicht,“ erklärt Frau Adamczyk, ebenfalls Lehrerin an der Zürich-Grundschule. „Ganz im Gegenteil. Mit einem Ziel vor Augen lernt es sich auch schon in der Grundschule leichter.“ Unter den Grundschulen ist die Nachfrage zur Teilnahme an „Abenteuer Beruf“ hoch. Berliner Schulpate ist deshalb fortlaufend auf der Suche nach Unternehmen, Organisationen und Freiberuflern, die das spielerische Reinschnuppern in Berufe unterstützen und die Begeisterung für den eigenen Beruf weitergeben möchten.

Über Berliner Schulpate gemeinnützige GmbH
Die gemeinnützige Initiative Berliner Schulpate verfolgt das Ziel, mit Hilfe der Berliner Wirtschaft und engagierter Bürger, Grundschulkindern das aktive Kennenlernen von Berufen zu ermöglichen. Die Initiative richtet sich an Grundschulen in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf. Dabei bekommen Kinder praxisnahe Einblicke in Berufe, indem sie Berufsvorbildern begegnen und Arbeitswelten erkunden. Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, eigene Interessen zu erforschen, neue Perspektiven kennenzulernen und Zukunftsträume zu entwickeln. Berliner Schulpate ging Ende 2012 als Pilotprojekt der Handwerkskammer Berlin an den Start und ist heute als gemeinnützige GmbH ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft. Berliner Schulpate wird von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gefördert sowie von der GASAG und der Berliner Volksbank eG finanziell unterstützt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.berliner-schulpate.de.

Kontakt:
Ann-Kathrin Engler
Berliner Schulpate gGmbH
Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: presse@berliner-schulpate.de
Telefon: +49 30 81 82 19 41

Berufe-Stunde an der Zürich-Grundschule: Berufspate Metallbauer Ludwig Lange erklärt den Kindern die verschiedenen Werkzeuge, die er für seine Arbeit benötigt. ©Berliner Schulpate
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Schülerinnen und Schüler der Zürich-Grundschule bauen beim Betriebsbesuch bei Module Spezial-Gerüstbau GmbH fachgerecht ein Gerüst auf. ©Berliner Schulpate
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Die Kinder aus der Zürich-Grundschule haben unter Anleitung von Andreas Krebs, Geschäftsführer bei Module Spezial-Gerüstbau GmbH, das Gerüst fast fertig gestellt. ©Berliner Schulpate
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Der Weg zum Traumberuf beginnt in der Grundschule

vom06. Februar 2020

Berliner Schulpaten kontaktieren

  • 030 81821940

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